Meine Lehrmeister

Oruç Güvenç

Oruç Güvenç war klinischer Psychologe, Musiktherapeut, -ethnologe und Sufi-Meister. Ich war 28 Jahre alt, als Oruç ein Retreat auf der Burg Plankenstein in Niederösterreich leitete. Wie in vielen Menschen schlummerte in mir die Sehnsucht danach, „erkannt zu werden“. Und wie die meisten flüchtete ich aus Angst vor Zurückweisung und Verletzung in Rollen, die mir scheinbare Sicherheit gaben.

Als der Sufi-Meister mir in die Augen schaute, lag in seinem Blick ein Ausdruck grenzenloser Akzeptanz: Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das uneingeschränkte Gefühl, so sein zu dürfen, wie ich bin. Paradoxerweise war das der Beginn eines langen Entwicklungsprozesses. Und Oruç wurde zu meinem ersten spirituellen Lehrer.

George King

Am Esalen-Institut in Kalifornien werden Heilmethoden aus Ost und West praktiziert und gelehrt, Spiritualität genießt einen hohen Stellenwert. George King betreute Ballett-Stars am Broadway in New York und war an der Entwicklung der Esalen-Massage maßgeblich beteiligt. 1986 war George in Wien und unterrichtete mich und eine Handvoll anderer Interessierter in der Kunst der bewussten Berührung. Ich war begeistert, wollte meinen Beruf als Grafikdesigner aufgeben und mich ganz der Körperarbeit widmen. Mit der Eröffnung meiner Shiatsu-Praxis ging dieser Wunsch Jahre später in Erfüllung.

Don Eduardo Calderon

Der peruanische Schamane Don Eduardo Calderon wurde von kräuterkundigen Alten, Hexenmeistern und Heilern in ihre Künste eingeweiht. Seine magische Kraft entsprang der Überzeugung, dass die Dinge die Bedeutung haben, die wir ihnen geben. Und Don Eduardo besaß großes Talent, in einem Menschen schlummernde Kräfte zu wecken und zu fördern.

Die Heilzeremonien im Römersteinbruch von Sankt Margarethen, Burgenland, dauerten immer die ganze Vollmondnacht. Ich genoss selbst rituelle Behandlungen von Don Eduardo und wurde Zeuge schamanischer Interventionen und deren Wirkung bei einem Dutzend anderer Personen.

Akinobu Kishi

Der Shiatsu-Meister Akinobu Kishi entdeckte für sich die Heilkraft spontaner, nicht willentlich gesteuerter Körperbewegungen (Katsugen). Ein solches Zittern, Schütteln und Zucken ist in vielen Kulturen Bestandteil von Heilritualen und wurde auch von unseren Vorfahren therapeutisch genutzt.

Ich nahm von 2002 bis zu Kishis Tod 2012 immer wieder die Gelegenheit war, seine Workshops zu besuchen. Kishi zeigte mir, dass Shiatsu weit über das mir in der österreichischen Shiatsu-Ausbildung Gebotene hinausreicht.

Ajahn Suphan

Ajahn Suphan leitet das buddhistische Kloster Wat Ram Poeng in der Nähe von Chiang Mai, Thailand. Dort verbrachte ich einen Monat schweigend, bis auf die Gespräche mit meinem Lehrer: Ich schilderte ihm täglich, wie es mir in den letzten 24 Stunden gegangen war. Dabei ging es ausschließlich um die klare Beschreibung meiner Emotionen. Begründungen, Vergleiche und andere Gedankengebilde waren für Ajahn Suphan ohne Belang. Das ist auch das Wesen der Vipassana-Meditation: Die Dinge zu sehen, wie sie sind.

Godfrey Devereux

Godfreys Yoga ist ursprüngliches Yoga: Das hat mit der Wechselwirkung von Inhalt, Form und Substanz zu tun und führt eines Tages mit Geduld, Übung und Glück zur Essenz, die nicht sinnvoll in Worte gefasst werden kann. Drei Wochen bei Godfrey Devereux auf Ibiza ermöglichten mir, ein Yoga zu praktizieren, wie ich es gesucht hatte: nicht kompetetiv und mit einem ausgewogenen Verhältnis von Asanas (Körperhaltungen), Pranayama (Atemübungen) und Meditation.

Mirko Frýba

Mirko Frýba war Psychoanalytiker und Universitätsdozent für Psychologie, bevor er unter dem Namen Bhikkhu Kusalananda in Sri Lanka zum buddhistischen Mönch wurde. Seinen Lebensabend verbrachte er im Weltkloster am Bodensee. Von dort aus betreute er als Thera („Ältester“) die buddhistische Gemeinschaft in mehreren Ländern Mitteleuropas.

Ich lernte Kusalananda im Haus der Stille am Hochkönig in Salzburg kennen. Kein anderer konnte mir Geh- und Sitzmeditation und den Kern der buddhistischen Lehre vermitteln wie er: „Buddhist sein, das heißt seinen Weg zu finden und zu gehen – einen Weg des verantwortungsvollen Ungehorsams“.