Meine Lehrmeister

George King

Am Esalen-Institut in Kalifornien werden Heilmethoden aus Ost und West praktiziert und gelehrt. Körperarbeit und Spiritualität genießen hier einen hohen Stellenwert. George King brachte bei der Entwicklung der Esalen-Massage seine Erfahrung aus New York ein, wo er zuvor Ballettstars am Broadway betreut hatte. 1986 war George in Wien und unterrichtete eine Handvoll Interessierter in The Poetry of Touch. Ich war begeistert von der Kunst der bewussten Berührung – meine Reise in die Welt der manuellen Körperarbeit hatte begonnen.

Oruç Güvenç

Oruç Güvenç war mein erster spiritueller Lehrer. Der klinische Psychologe, Musiktherapeut und Sufimeister weihte mich in die Kunst des Drehtanzes und verschiedene Formen des Dhikre (eine spirituelle Übung, die still und meditativ oder auch laut und ekstatisch praktiziert werden kann) ein. In langen Gesprächen vermittelte Oruç die Lehre des großen persischen Mystikers Rumi (1207–1273) und die Philosophie der Einheit.

Don Eduardo Calderon

Der peruanische Schamane Don Eduardo Calderon besaß großes Talent, in einem Menschen schlummernde Kräfte zu wecken und zu fördern. Seine Heilzeremonien dauerten ganze Vollmondnächte. Ich kam mehrmals selbst in den Genuss einer rituellen Behandlung und wurde Zeuge schamanischer Interventionen bei anderen. Durch Don Eduardo begriff ich den Kern des magischen Weltbilds und das Wesen der Selbstermächtigung (Empowerment): „Ich bin, und ich handle!“

Akinobu Kishi

Der Shiatsu-Meister Akinobu Kishi war tief in der japanischen Tradition verwurzelt. Seine Kunst lag darin, nicht die Asche anzubeten, sondern Feuer zu entfachen. Kishi zeigte mir, dass Shiatsu weit über das in Österreich Bekannte hinausreicht, aber dass die Kraft und die Schönheit der Methode gerade in ihrer Einfachheit liegen.

Ajahn Suphan

Dreißig Tage Vipassana im Kloster Wat Ram Poeng bedeuten, lange zu meditieren, kurz zu schlafen und rund um die Uhr zu schweigen – ausgenommen das tägliche Gespräch mit dem Lehrer Ajahn Suphan. Am Schluss begriff ich die Lektion: Es geht weder darum, perfekt zu meditieren, noch sonstigen Leistungsansprüchen gerecht zu werden. Die Aufgabe ist, den eigenen Sinneswahrnehmungen zu vertrauen, die Natur der Dinge zu erkennen und Akzeptanz zu entwickeln. Dazu muss jedoch erst die Angst überwunden werden, nicht gut genug zu sein.

Mirko Frýba

Mirko Frýba war Psychoanalytiker und Universitätsdozent für Psychologie, bevor er unter dem Namen Bhikkhu Kusalananda zum buddhistischen Mönch auf Sri Lanka ordinierte. Kein anderer vermittelte mir den Kern der buddhistischen Lehre wie er: „Buddhist sein, das heißt, seinen Weg zu finden und zu gehen – einen Weg des verantwortungsvollen Ungehorsams“.