Meine Lehrmeister

Oruç Güvenç

Oruç Güvenç war mein erster spirituellen Lehrer. Der klinische Psychologe, Musiktherapeut und Sufimeister erzählte gerne die Geschichte des Bildhauers, der eine großartige Statue erschaffen hatte. Sie stellte einen Löwen mitten im Sprung so täuschend echt dar, dass viele glaubten, ein lebendes Tier vor sich zu haben. Die Bewunderer kamen aus dem Staunen nicht heraus und fragten den Mann nach dem Geheimnis seiner Kunst. Seine Antwort: „Erst habe ich den Steinblock genau angesehen, dann Meißel und Hammer zur Hand genommen und schließlich alles weggeschlagen, was nicht zu einem Löwen gehört.“

Manchmal fällt es leichter, anstatt positiven Eigenschaften nachzujagen, in sich zu gehen und zu schauen, welche Eigenheiten einem daran hindern, einfach „Mensch zu sein“.

George King

Am Esalen-Institut in Kalifornien werden Heilmethoden aus Ost und West praktiziert und gelehrt. Körperarbeit und Spiritualität genießen einen hohen Stellenwert. Bei der Entwicklung der Esalen-Massage brachte George King seine Erfahrung aus New York ein, wo er am Broadway TänzerInnen betreut hatte. 1986 war George in Wien und unterrichtete mich und eine Handvoll anderer Interessierter in der Kunst der bewussten Berührung. Ich war begeistert, aber erst Jahre später begriff ich, wie wesentlich diese Begegnung für mich sein sollte.

Don Eduardo Calderon

Der peruanische Schamane Don Eduardo Calderon wurde von kräuterkundigen Alten und Heilern in ihre Künste eingeweiht. Don Eduardo besaß großes Talent, in einem Menschen schlummernde Kräfte zu wecken und zu fördern.

Die Heilzeremonien im Römersteinbruch von Sankt Margarethen, Burgenland, dauerten immer die ganze Vollmondnacht. Ich kam nicht nur selbst mehrmals in den Genuss einer rituellen Behandlung durch Don Eduardo, sondern durfte auch an schamanischen Interventionen bei einem Dutzend anderer Personen teilhaben.

Akinobu Kishi

Der Shiatsu-Meister Akinobu Kishi kam von 2002 bis zu seinem Tod 2012 immer wieder nach Wien und ich nutzte jede Gelegenheit, seine Workshops zu besuchen. Kishi zeigte mir einerseits, dass Shiatsu weit über das in der österreichischen Shiatsu-Ausbildung Gebotene hinausreicht, aber andererseits die Schönheit der Methode gerade in ihrer Einfachheit liegt.

Ajahn Suphan

Ajahn Suphan leitet das Kloster Wat Ram Poeng in der Nähe von Chiang Mai, Thailand. Ich zog mich dort für einen Monat zurück, um Vipassana-Meditation zu praktizieren. Im täglichen Gespräch mit dem buddhistischen Meister ging es um meine Erfahrungen der letzten 24 Stunden. Mit Hilfe von Ajahn Suphan lernte ich, „die Dinge zu sehen, wie sie sind“. Begründungen, Erklärungen, Entschuldigungen, Fantasien, Interpretationen und andere Gedankengebilde sind dabei ohne Belang.

Godfrey Devereux

Ursprüngliches Yoga hat viel mit der Wechselwirkung von Körper, Geist und Seele zu tun und wenig mit „Bauch, Bein, Po“ oder Aerobic. Drei Wochen bei Godfrey Devereux auf Ibiza boten mir ein Yoga, wie ich es gesucht hatte: nicht kompetitiv und mit einem ausgewogenen Verhältnis von Asanas (Körperhaltungen), Meditation und Pranayama (Atemübungen).

Mirko Frýba

Mirko Frýba war Psychoanalytiker und Universitätsdozent für Psychologie, bevor er unter dem Namen Bhikkhu Kusalananda zum buddhistischen Mönch auf Sri Lanka ordinierte. Ich lernte ihn im Haus der Stille am Hochkönig in Salzburg kennen. Kein anderer vermittelte mir den Kern der buddhistischen Lehre so eindrucksvoll wie Kusalananda: „Buddhist sein, das heißt, seinen Weg zu finden und zu gehen – einen Weg des verantwortungsvollen Ungehorsams“.